Die Geschichte des Koffers
Die Geschichte des Koffers begann in einer Zeit, an die wir uns nur noch mithilfe von bebilderten Geschichtsbüchern erinnern können. Als Urform des Gepäcks gilt bereits der aus Tierhaut geschnürte Beutel, den unsere frühen Vorfahren trugen, wenn sie für eine längere Zeit unterwegs waren und die Heimathöhle nicht so schnell erreichen konnten.
Im Mittelalter bedienten sich Kaiser und Könige auf ihren Reisen schwerer Holztruhen, die sie von Bediensteten neben sich hertragen ließen. Damit kein Regen in die Kisten gelangen konnte und das aufbewahrte Hab und Gut durchnässte, setzte man später abgerundete Holzdeckel auf die Truhen. Diese ließen das Regenwasser an den Seiten besser ablaufen. Eine solche Idee war dringend nötig, da man bis dato sein Gepäck noch zu Fuß oder zu Pferd transportierte.
Mit dem Einzug der Postkutsche im 16. Jahrhundert entdeckte man schließlich luxuriösere Möglichkeiten zu reisen. Eine Sitzbank, Stauraum und vor allem ein Dach über dem Kopf, das vor Wind und Regen schützte, machten Kutschfahrten zu einer beliebten Art der Fortbewegung. Es wurden Reisetruhen aus Holz oder Weidengeflecht entwickelt, die mit Eisen beschlagen waren.
Die Bezeichnung "Koffer" geht von dieser Bauart aus. Sie leitet sich von dem französischen Wort "coffre" ab, das dem Lateinischen "Cophinus" entlehnt wurde und "Weidenkorb" bedeutet.
Zu dieser Zeit machte sich ein Diener am französischen Königshof einen Namen, der auch heute noch Symbol für hochqualitatives Reisegepäck ist: Louis Vuitton. Dieser Mann fertigte erste Lederkoffer und -taschen in ansehnlichen Varianten, um sie nach außen hin repräsentativer zu machen. Es stand nicht mehr nur der praktische Nutzen eines Koffers im Vordergrund, sondern auch ein optischer Anspruch.
Die Kofferentwicklung geht mit dem Fortschritt der Fortbewegungsmittel einher. Als im 19. Jahrhundert die Eisenbahn aufkam, kristallisierte sich eine besondere Gepäckform heraus: der Eisenbahnkoffer. Er war aus robusten Materialien gebaut, sehr schwer und konnte aufgrund seiner kompakten Größe unter den Sitzen deponiert werden. Zwei Personen brauchte man zum Tragen des Bahnkoffers, da die Griffe an zwei Seiten angebracht waren.
Mit der Zeit wurden die Koffer in ihrer Größe immer handlicher und feierten schließlich ihren Höhepunkt um 1880, als der Coupé-Koffer aus Leder erfunden wurde. Dieser war besonders klein und leicht, daher konnte er nun auch von einer einzelnen Person transportiert werden.
Anders gestaltete sich der Koffer für Schiffsreisen. Da man in der Regel länger unterwegs war, wurde auch mehr Stauraum benötigt. Als praktisch erwies sich hier ein Schrankkoffer, der sich an zwei Seiten aufklappen ließ und gerade aufgestellt werden konnte, sodass man seine Kleidung an Bügeln aufhängen konnte.
Die ersten Koffer für die Reise mit dem Auto gestalteten sich als sperrig und mussten auf Trittbrettern oder auf dem Autodach mitfahren. Verdeckkoffer aus Holz, Rohrplatten oder Pappe waren bis 1930 gängig, bis schließlich ein kompakter Autokoffer entwickelt wurde, der auch auf der Rückbank Platz finden konnte.
Als Flugzeuge jeden bisherigen Reisekomfort nochmals übertrumpften, wurden die Koffer um ein weiteres Maß kleiner. Erste Kunststoffkoffer waren wegen ihrer Stabilität für Flugreisen besonders geeignet und schon bald mit Rollen ausgerüstet, die das Reisen um ein Vielfaches leichter machten. Heutzutage sind Trolleys und vielfältig einsetzbare Aluminiumkoffer in allen erdenklichen Formen und Farben von Top-Designern wie Louis Vuitton, Samsonite oder Rimowa erhältlich. Was als unkomfortable Reiselast begann, ist nun aus unseren Haushalten nicht mehr wegzudenken. Da uns heute viele spannende Transportmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sind die Koffer dieser Welt ständig in unermüdlichem Einsatz und werden uns auch in der Zukunft noch ein unverzichtbarer Begleiter sein.